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3. Zürcher Krimipreis 2010
Gestiftet vom
Quartierverein
Wipkingen für den besten Zürcher Krimi!
Zürcher Krimipreis 2010

Sunil Manns «Fangschuss» traf
bei der Krimi-Jury voll ins Schwarze. Foto: Roger Suter
Ohne Krimi gehen die
Wipkinger nie ins Bett
Der Zürcher Krimipreis
2010 geht an Sunil Manns «Fangschuss». Die dritte Verleihung ist schon
derart beliebt, dass man sich wohl nach einem neuen Ort umsehen muss.
Von Roger Suter, Zürich Nord
Eine einzige Kategorie, drei Nominierte, ein Haupt- und zwei zweite Preise:
Kann das überhaupt spannend und amüsant sein? Es kann! Was Hollywoods
Schauspiel-Akademie mit einem stundenlangen Tanz um goldene Statuetten und
verschlossene Kuverts nicht hinkriegt, klappt in Wipkingen jedes Jahr
besser: Die Verleihung des Zürcher Krimipreises war spannend, amüsant und
erbauend dazu, weil man die Werke der drei Autoren auch gleich kaufen und
signieren lassen konnte.
Spannend
war der Abend im proppenvollen, mit Postern vom Paten Marlon Brando oder dem
Superagenten James Bond stimmig hergerichteten Saal des GZ Wipkingen
deshalb, weil erstens jeder der drei Nominierten –

Michael Herzig mit «Die
Stunde der Töchter»,

Sunil Mann mit
«Fangschuss»

und Res Perrot mit
«Bauernopfer» –
aus einem Krimi vorlas
(wobei Herzig sogar einige anrüchige Passagen ausgelassen hat). Zweitens
enthielten auch die Gespräche, die Moderatorin Esther Schneider
(Radiomoderatorin DRS 1, «Persönlich») mit den Autoren führte, viel mehr
als: «Ich weiss nicht, was ich sagen soll...» und «Ich danke meinen
Eltern...». Warum er zum Beispiel eine draufgängerische, aber weibliche
Hauptfigur gewählt habe, wollte sie etwa von Herzig wissen. «Diese
Perspektive war einerseits eine Herausforderung und verhinderte
andererseits, dass zu viel von mir in dem Buch ist», erklärte der Gefragte.
Der indischstämmige Sunil Mann vermutete, dass seine Mutter nur deshalb
nichts Negatives über sein Buch – das sich durchaus streckenweise kritisch
mit dem Einwanderermilieu auseinandersetzt – sagt, weil sie eben seine
Mutter sei. Und Res Perrot sagt über seinen dicklichen Wachtmeister
Grossenbacher, er sei ein «Berner Chnorz».
Zürich wird immer braver
Auffällig ist, dass alle
drei Autoren zumindest ihre Kindheit im Bernbiet verbracht haben, das auch
nach Gotthelf, Matter und Co. Wortgewandte hervorbringt. Eine Erklärung für
dieses Phänomen hatten die Autoren allerdings auch nicht. Doch für den Ort
des Geschehens, Zürich, sehr wohl: «Pure Bequemlichkeit» etwa, weil man zum
Recherchieren nur kurz aufs Velo steigen muss. Oder: «Der Leser kann den
Schauplätzen nachlaufen.» Allerdings seien diese wegen der fortschreitenden
«Aufwertung», auch im Langstrassenquartier, auch immer braver – und damit
krimitechnisch uninteressant.
Das
konnte man von der musikalischen Begleitung des Abends nicht sagen: Selten
wurde Krimi-Musikliteratur so blumig angekündigt wie vom Duo «Die
Kriminologen»: Auf die Einleitung: «Das folgende Lied handelt von der
Grausamkeit der Menschen gegeneinander, zum Beispiel Folter durch
Schlafentzug», folgte «Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett», der Schlager
von Bill Ramsey aus dem gleichnamigen Film.
Jury macht es sich
nicht leicht
Nach Lektüre und harten Diskussionen hatte sich die zehnköpfige Jury
übrigens für Sunil Manns «Fangschuss» als Krimi des Jahres entschieden. Er
handelt vom ebenso jungen wie naiven Privatdetektiv Vijay Kumar, indischer
Abstammung und unerfahren, der eine Katze suchen soll und alsbald über eine
Leiche stolpert.
Jurorin
Inge Mathis würdigte die ihm eigene, unverkennbare Manier, mit der Mann
Zürich beschreibt, und überreichte ihm die grosse Lupe, welche
gleichbedeutend ist mit 3000 Franken Preisgeld, gestiftet vom
Quartierverein, der den Anlass auch organisiert.
Und sie beginnt in Kürze
mit dem Lesen neuer Krimis, die grösstenteils in Zürich und zwischen Oktober
2010 und September 2011 in Buchform erscheinen. Darunter wird dann auch der
Krimi des Jahres 2011 sein.
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